Freitag, 11. Februar 2011

Brief


Liebe Frauen,

es ist recht verbreitet, Partnerschaftlichkeit zwischen Mann und Frau als zukunftsweisend zu loben und immer öfter höre ich die Meinung, wenn Mann und Frau eines Tages partnerschaftlich mit einander umgehen, könnte das den Paradigmenwechsel herbeiführen und uns sogar in eine matriviviale Zukunft führen.

Frau setzt auf Männereinsicht, -vernunft und -handeln und darauf, dass Frauen, den ihnen zustehenden Anteil an der Welt endlich einfordern und auch erhalten. 
Und da sind sie wieder: unsere drei Probleme!
  • Einsicht in die Notwendigkeit, auch Frauen ihre innere und äußere Freiheit zuzugestehen.
  • Vernunft walten zu lassen, also gesunden Menschenverstand zur Anwendung zu bringen, wenn es um die Existenzberechtigung der lebenden Menschen geht.
  • Handeln als lebenserhaltendes Ausdrucksmittel im Kreislauf des (An)Nehmen und Gebens.

Partnerschaft ist ein gut etablierter, patriarchaler Begriff

An dem Begriff der Partnerschaft stört mich, dass er eigentlich ein so durch und durch patriarchales Ding ist. Ich kann ja grundsätzlich den Sinn hinter dem Bestreben, das Wort Ehe oder Beziehung durch den Begriff der Partnerschaft zu ersetzten, verstehen. Partnerschaft hört sich solide an, verbreitet so eine Aura von gleichberechtigtem Miteinander.

Aber von der eigentlichen Bedeutung her, hat Part(ner) nichts mit Gleichberechtigung oder -behandlung zu tun, sondern bezeichnet erst einmal nur eine Teilhabe an derselben Sache. Ein Part ist auch eine Rolle oder ein Gesangsstück für einen Künstler. Es ist eine Beteiligung an einem größeren Ganzen. Menschen kommen per Bereitschaftserklärung zusammen, um sich an einem gemeinsamen Projekt oder Geschäft oder einer Beziehung zu beteiligen. Um Partner in einer gemeinsamen Angelegenheit zu sein, muss vorab geklärt werden, wie die Unternehmung konkret aussehen soll.

In einem gewöhnlichen Geschäft bedeutet das, dass es aktive oder auch stille Teilhaber gibt. Die Grundlage in einer wirtschaftlichen Partnerschaft ist das Geld, die Einlage in das Unternehmen. Oder auch die Produktionsmittel oder die eigene Arbeitskraft, die in Geldwert umgerechnet wird.

Aber nicht jeder, der in einem Unternehmen arbeitet, ist ein Partner. Der Begriff des Partnersein betrifft nur die Verantwortungsträger, also die Inhaber oder Bestimmer. Die Beteiligung oder das Mitmachendürfen (der Lohn- bzw. Mitarbeiter) kann auch jederzeit (abrupt) enden. Das Unternehmen ist an einen gewissen wirtschaftlichen Erfolg geknüpft, weniger an die Zufriedenheit und das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter. Das Ziel der Unternehmung ist Gewinn für die Eigentümer. Profit als eine Machtgrundlage.

Das Unternehmen der menschlich persönlichen „Partnerschaft“ (die heutige Bezeichnung für Zweier - Lebensgemeinschaften aller Art) soll jedoch anders geartet sein. Da geht es vor allem um den Wohlfühlfaktor (die gegenseitige Liebe) und weniger um den geldwerten Erfolg. Zumindest im momentan vorherrschenden Anspruch. Die (Paar)Beziehung als gemeinsames Unternehmen ist also so etwas wie ein ganz neues Geschäftsmodell und die Geschäftseinlage ist auch nicht Geld (höchstens unterschwellig), sondern Liebe, sowie gegenseitiges Vertrauen, bedingungsloses Zueinanderstehen und nicht zuletzt ein komplizierter Treueanspruch.

Zwei Menschen, die auf Grund der vorherrschenden gesellschaftlichen Spielregeln als allein* gelten, schließen sich zu einer Partnerschaft zusammen. Moment, jetzt habe ich ja noch vergessen zu erwähnen, dass es sich dabei vorzugsweise um Vertreter der beiden verschiedenen Geschlechter handelt. Ich vernachlässige mal die anderen Spielarten der Zuneigung und richte mein Augenmerk auf Mann und Frau. Denn sie sind die VertreterInnen, welche in Zukunft die Partnerschaftlichkeit in die Welt tragen sollen - Halbe halbe! Die Hälfte der Verantwortung, die Hälfte der Arbeit, die Hälfte des Gewinns, die Hälfte des Glücks. Spätestens jetzt müsste uns auffallen, dass das irgendwie nicht wirklich hinhaut, weder in der Gegenwart, noch für die Zukunft.

* ohne einen anderen, in irgendeiner Form Anspruch erhebenden, Angehörigen und auch unabhängig von anderen Sippen/Familienmitgliedern

In einer Lebensgemeinschaft gibt es keine tariflich vereinbarten Arbeits- und Pausenzeiten, keine Stechuhr, keine Gehaltsabrechnung. Nur am liebsten Liebe bis ans Ende aller Tage, denn versteckt in jedem Liebesgeschichtenanfang ist immer noch das alte Ehecredo „...bis dass der Tod uns scheidet!“ enthalten. Da will man sich auf ewig lieben, treu sein und gemeinsam alt werden, halt das ganze Programm der modernen Romantik. Je partnerschaftlicher es in einer solchen Verbindung zugeht, desto größer sind die Chancen, dass dieses Konstrukt ein Leben lang hält, so heißt es im Allgemeinen.

Aber „partnerschaftlich“ bedeutet, im Sinne der Sache, nicht zwangsläufig im Sinne der/s Anderen handeln.Partnerschaftliches Agieren ist vielleicht ein gutes wirtschaftliches Konzept, aber meiner Meinung nach nicht wirklich lebenstauglich im Sinne von fürsorglichem, empathischem, beständigem, verlässlichem und konsensbereitem Handeln. Das wird um so deutlicher, wenn sich diese private Co KG um mehrere kleine Personen erweitert.

Vom Begriff her bedeutete „partnerschaftlich“ im ökonomischen und vor allem im gesellschaftlichen Sinn, nämlich nicht unbedingt einem Partner mit Nachsicht und mit Wohlwollen und Liebe zugetan zu sein. In der Wirtschaft wird mit harten Bandagen gekämpft, selbst wenn man an der gleichen Sache beteiligt ist. In der Anwendung ist: einen „Partner“ haben, so eine typische doppelbödige, patriarchöse Idee.

Partnerschaftlich“ auf das Miteinander der Geschlechter anzuwenden ist relativ neu.

Einen Partner haben, gehört inzwischen irgendwie zum Mannsein dazu. Das kennen wir aus diversen Heldenideologien und es wird an uns durch tausende Geschichten, in Büchern, Filmen und Serien herangetragen. Die Idee gipfelt darin, mit einem Partner mehr Zeit, als mit der eigenen Familie zu verbringen oder im Zivilisationsdschungel mit ihm durch dick und dünn gehen und für ihn sogar das eigene Leben zu riskieren. Aber als ein Partner wird manchmal auch ein Gegenspieler oder Kombattant bezeichnet, also der Feind. Der „Partner“ im Videospiel zum Beispiel, darf nach Herzenslust niedergemetzelt werden.

Alles sehr untaugliche Vorstellungen, um auf eine alltagsbeständige Beziehung mit Frau und Kind übertragen zu werden, finde ich. Das Kumpelgetue, das sich auf die maskuline Art bezieht mit Nichtkonkurrenten umzugehen, ist für mich eine eher gruselige Vorstellung im Zusammenhang mit dem Tagesgeschäft einer persönlichen, kinderbezogenen und häuslichen Lebensgemeinschaft. Die Partnerin eines Mannes zu werden, bedeutet, sich auf die bereits etablierte, männliche Verständnisebene zu begeben.

Ich habe in einer Ehe gelebt (die auch da schon wahlweise als Beziehung oder Partnerschaft bezeichnet wurde), als Partnerin im oben erwähnten Sinn, habe ich mich nicht gefühlt. Da ich anfangs noch als klassische Ehefrau agierte, die das persönliche Wohl ihres Gatten (ausschließlich) im Sinn hatte, änderte sich mit der Geburt der ersten Tochter die Aktionsbühne. Stand ich zuvor unter dem Eindruck, ich erfülle (spiele) meinen Part, fing jetzt mein eigentliches Leben an. Mutter sein, mit seinem gesamten Verantwortungsspektrum, ist so eine ganz andere Dimension als Partnerin. Ich fühlte, anfangs nur diffus, das war nicht mehr meine Aufgabe, wenn ich meinen Kindern gerecht werden wollte. Von Seiten meines Mannes und Vater der Kinder stellte sich zwar zum Teil so nach und nach im Tagesgeschäft auch diese urbrüderliche Unterstützung ein, die eine Ahnung von sippenhaftem Lebens aufkommen ließ, aber das allgemeine, männliche Rollenklischee stand ihm jedoch ständig im Wege.

Den Mann als Liebespartner, als Vater der Kinder, als besten Freund, auch als Haustyrann zu sehen, ist akzeptabel, ihn jedoch unter dem Aspekt der Brüderlichkeit wahrzunehmen, ist verpönt. Dabei ist doch der lebendige, geschwisterliche Zusammenhalt die Erstform des sozialen Zusammenlebens.

Partnerschaftliche Erwartungen (ohne Liebesgefühle), an einen Vertreter des anderen Geschlechtes, laufen meiner Erfahrung nach in der momentanen gesellschaftlichen Art des Umgangs der Geschlechter immer noch ins Leere. Genau genommen ist es, bei der immer noch gut konstituierten Frauenverachtung allerorten, fast nicht vorstellbar, jemals eine prinzipielle gegenseitige, menschliche Achtung und den dazu gehörigen, lebendigen Gemeinsamkeitssinn zu erwarten.

Wenn wir uns jedoch eines Tages trauen das geschwisterliche Zusammenwirken von Mann und Frau zu fordern, dann könnte es vielleicht etwas werden mit der Gleichwertigkeit in unserer Gesellschaft.


Stephanie Ursula Marthastochter



Dienstag, 30. November 2010

Vision am Waschkessel

Essen scheint nur noch Genuss und selbst normale Kleidung nur noch Mode zu sein

Ich möchte mich aber nur einfach gut ernähren und mehr oder weniger warm anziehen. Schlichte Kleidungsstücke (ohne Taschen und Knöpfe an unsinnigen Stellen oder peinliche Aufdrucke), die sich, ohne Label und nach gut Dünken, kombinieren lassen, gibt es für mich scheinbar nur noch in Eigenproduktion. Oder, ich habe endlich die ultimatven Schuhe gefunden, dann sind die in der nächsten Saison in keinem Geschäft mehr zu haben.
Ich hoffe jedenfalls, das hier die Zukunft in Anlehnung an das Internet vielleicht auch schwindelerregende Möglichkeiten bringen wird. In Läden und Onlineshops erhält die frohe Kundin Basics in verschiedenen Farben, Qualitäten und passenden Größen, die sich im Baukastensystem nach Bedarf aufhübschen lassen und deren Parameter zuvor an einem Terminal von ihr eingegeben werden. Oder die Klamotten werden gleich nach Wunsch zu Hause  in einem Replikator hergestellt (Shirt, dünn, schwarz, dreiviertel Arm, Hose karminrot, Gummizug, gerade geschnitten).  Kein Kleiderschrank, keine Waschmaschine! 

Designer werden dann genauso zur parallelen Spezies, wie es sich jetzt schon bei den Journalisten abzeichnet.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Ende und Beginn


Das Neujahrsfest des Mondjahres

Samhain - Halloween - AllHallowsEve - Allerseelen/Allerheiligen - Dunkelmond


In allen Läden geben sich Geister, Kürbisse und Hexen, Gruselspinnen und Vampire die Ehre, in der Hoffnung allen Konsumenten und besonders den Kindern ein schauriges Halloween bereiten zu können. Und inzwischen machen fast alle mit..., ein großer Spaß für die Kinder.


Doch gibt
es auch Ausnahmen? Leute, denen das alles zu blöd ist oder die sich ohnehin vom irrationalen Geisterglauben distanzieren? Oder es gibt jene, die in aller Ernsthaftigkeit Samhain begehen, das Fest unserer AhnInnen feiern?

Die Christen bringen Kerzen auf den Friedhof, schmücken die Gräber und gedenken der Toten. Jede Religion hat ihre Art der Ahnenverehrung und alle Riten gehen auf uralte Überlieferungen zurück.
Aber Samhain ist mehr, als nur ein Totengedenken.

In alten Zeiten, als das Mondjahr die Zeit zählte, war es Jahresabschluss und Neujahrsfest zugleich, das in vielen Teilen Europas und über Jahrhunderte hinweg begangen wurde. In der Dunkelheit wurde der Beginn des neuen Jahres verehrt, wie auch der Beginn des Tages im Abend gesehen wurde.

Es ist eine besondere Zeit, wenn der Sommer zu Ende geht und das Dunkel sichtbar zu nimmt. Die Natur zieht sich zurück. Die Sterberate nimmt zu. Was in den nächsten Wochen den härter werdenden Bedingungen trotzt, wird weiter leben. Die Zugvögel ziehen vom Norden zu uns oder weiter in den Süden, Tiere halten ihren Winterschlaf. In der Natur wird nichts mehr geerntet, die Kräuter und Pflanzen gehören jetzt den Pucken.


Die Länder nördlich der Alpen erlebten den Herbst und Winter als die Zeit des Rückzugs und der Besinnlichkeit und nach den Raunächten als Rüstzeit für das beginnende Frühjahr. Und in diesem Sinne sind die Feste nicht nur einmalige Ereignisse an einem Feiertag. Sie bestimmen ebenso den Geist der voran gegangenen oder folgenden Zeiträume. Die dazu gehörigen Vorbereitungen, wie Fastenzeiten oder die Herstellung von besonderen Speisen, geschahen in der mit den Festen verbundenen Intention. Bis die Veränderungen der Natur, der Sonnen- oder Mondstand den nächsten Abschnitt des Jahres anzeigten.


Die oft bedrückende oder geheimnisvolle Stimmung, die von Lichtlosigkeit und Herbststürme hervorgerufen wird, ist auch für uns heute spürbar. Die Schleier zwischen den Welten sind dünn. Die Zeit des Samhain, des Sommerendes, lässt uns viel mehr erahnen, als die sonstige alltägliche Normalität.


Heute verstehen viele unter ahnen, etwas nicht genau wissen. Das Ahnen, ist aber im Gegenteil die Gewissheit. Ein Wissen, das schon immer da war und immer sein wird, weitergegeben von der Mutter zur Tochter, vom Vater zum Sohn. Unsere Ahnen lebten mit der Natur und der natürlichen Magie. Und das Unerklärliche, war nicht unbedingt Schreckgespenst oder unabwendbares Böses, wie es heute oft dargestellt wird. Vielleicht lebten die Menschen einst so im Einklang mit der Natur, dass das Unerklärbare keine Rolle spielte, weil es, wie die Menschen ein selbstverständlicher Teil ihrer Umwelt waren. Und alles erklären zu wollen ist auch ein wenig die Manie unserer Zeit. Die Menschen lebten seit Jahrtausenden in und mit der Natur, vielleicht gab es für sie weniger Ängste und diffuse Bedrohungen, als für uns heute.


Samhain! Die Menschen rückten in dieser beginnenden Jahreszeit enger zusammen. Es wurden Geschichten erzählt, Geschichte weitergereicht von Generation zu Generation. Die alten Erfahrungen weitergegeben und neue hinzugefügt. Derer gedacht, die nicht mehr in der Mitte der Gemeinschaft weilten. Wünsche für das kommende Jahr ausgeschickt. Das Lozen, Weissagen gehörte dazu, aber auch die Maßnahmen um Unheil abzuwenden. Und das hat nichts mit dem modernen Begriff des sogenannten Bösen zutun.


Vorschau und Rückschau, Verinnerlichung und die Wahrnehmung fließen lassen, auch außerhalb der erfahrbaren Welt. Eine Be - Sinn - lichkeit, die heute in unserem Alltag kaum zu finden ist, auch an den (modern) gestalteten Festtagen nicht.


Die Begegnung mit der Anderswelt ist für uns keine Selbstverständlichkeit mehr und statt dem Kleinen Volk, mischen sich die Kinder, als Dämonen und Gespenster verkleidet, unter die Menschen. Oder - sind es doch die Feen und Geister, die in dieser Nacht umgehen? Müssen wir nur wieder richtig hinsehen und hinhören? Aber keine Angst, Geister sind nur Gäste in unserer Welt.


AhnInnengedenken, ein Moment der Ruhe, eine kleine Meditation – es ist leicht Zugang zu einem Fest finden, das bis in ferne Zeiten zurück reicht. Wir können mit den Kindern über die AhnInnen sprechen. Zuvor mit ihnen Kerzen und Dekoration vorbereiten und statt Gruselgeschichten, erzählen wir
, was wir noch von früher wissen. Keine Zitate aus Büchern, sondern eigene, erlebte Geschichte. Der eventuelle Gang zum Friedhof sollte nicht die einzige Erfahrung in der Familie bleiben. Und wenn frau zufällig in Thüringen geboren wurde, dann ist dieser Tag auch eine gute Gelegenheit sich Frau Holle zuzuwenden. Eine besondere Kerze anzuzünden oder Hirsebrei für die Familie zu kochen.

Zitate aus „
Frau Holle, die gestürzte Göttin“ von Sonja Rüttner-Cova :

„....in Mitteldeutschland* ist die Göttin mehr als Holla überliefert...“


(* Harz, Thüringen, Rhön und Hessen – Anmerkung Stephanie)

„Nach dem Glauben der Germanen besitzt jede Frau die Gabe der Prophetie. Diese allgemeine Begabung macht sie zur Vertreterin, zur Priesterin der Göttin und drückt sich auch im Wort Frau aus.....Ursprünglich bedeutet Frau soviel wie milde, frohe und gnädige Herrin, alles Eigenschaften, die der Göttin innewohnen...“

 
„Zum Hauswesen, dem die Frau vorstand, gehörte auch die Pflege des Hausgeistes, der Hausgottheiten, die in den Alltag einbezogen waren. Jede Handlung geschah in enger Verbindung mit der Göttin....“

Wenden wir uns also den Festen froh und ernsthaft zu. Und ein ausgehöhlter Kürbis mit einem Licht gehört bestimmt unverzichtbar zu einer gelungenen Halloweenfeier, denn das Licht schlägt eine Brücke in die Vergangenheit, an die wir uns nur zu erinnern brauchen und in die Zukunft, die wir für unsere Kinder gestalten werden.

Freitag, 1. Oktober 2010

... es gibt für alles eine Erklärung

"…wir kommen auf die Welt und die Welt ist schon da... das ist der Schock!" 
Sagt Harald Lesch. Und er fragt auch: "...warum gibt es ein Lebewesen, das so viel mehr kann, als es eigentlich muss?"

Die Antwort darauf, finde ich, ist eigentlich ganz einfach. Es ist genau genommen die, vorrangig männliche, Überlebensstrategie, welche den Menschen so erfolgreich werden ließ, wenn wir es mal als Erfolg ansehen, dass sich unsere Spezies unverhältnismäßig über den ganzen Erdball verteilt hat.

Nur ein lebender Mann kann seine Gene weitergeben. Daher ist der Selbsterhalt, das Überleben (um jeden Preis) ein maskulines Bestreben. Es ist die Quelle des permanenten Wettbewerbs bis hin zu blutigen Kämpfen und anonymer Vernichtung Tausender.

In einem natürlichen und erst recht in einem bereits zivilisiertem Umfeld, mit einer ständig wachsenden Anzahl an Konkurrenten, ist es dem Mann aus eigenem Sicherheitsbedürfnis heraus, wichtig, die Umwelt zu kontrollieren oder sich mit, ursprünglich Angehörigen, später Gleichgesinnten, zu verbünden. Macht euch die Erde untertan – war eine der zwingenden Schlussfolgerungen.

Die Zehn Gebote sind ein gutes Beispiel dafür, wie notwendig es für sie war, im Laufe der kulturellen Evolution, sozial unangepasste Männer zu reglementieren. Das heute die Gebote allen vorliegen, sollte uns nicht vergessen lassen, dass diese Gesetzesform nur im patriarchalen Sinne von Männern für Männer hervorgebracht wurde. Frauen wurden dereinst von den Gesetzeserfindern in einem Atemzug mit Vieh und Sklaven als Besitz genannt.

Du sollst nicht töten! – war unter anderem jedoch offensichtlich wichtig, um die freilaufenden Aggressionen halbwegs zu kanalisieren. Das Wort der Mutter galt zu dem Zeitpunkt schon lange nichts mehr...

Der Mann fühlt, was unter seiner Kontrolle ist, kann ihm erst einmal nicht schaden! Aber das ist nicht so einfach! So weit mann sehen kann, ist vielleicht alles in Ordnung, doch was ist mit den Gefahren, die nicht mit bloßen Auge zu erkennen und eigenen Ohren zu hören sind? Die mann trotzdem irgendwie spürt, von denen man ahnt oder weiß, dass sie da sind? Nicht umsonst befürchtete Majestix, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte, denn schließlich wissen wir heute, jederzeit könnte ein großer Brocken einschlagen.


Was zu verhindern gilt, muss verhindert werden. Der Mann hat zwar schon immer auch die Seinen beschützt, weil er gelernt hat, wie wertvoll für ihn ein soziales Miteinander (in der Menschengruppe) und wie stärkend Zuwendung und Fürsorge durch andere für ihn sind. 


Die vielgepriesene Neugier oder der Wissensdurst des Menschen ist eigentlich nichts weiter als der unbewusste Drang nach eigener (vorrangig männlicher) Sicherheit und einem kontrollierten Umfeld für (wollen wir mal gnädig sein) die eigenen Nachkommen.

Leider ging dieses Bestreben dann doch soweit, dass Massenvernichtungswaffen entwickelt und gebaut wurden, die mehrmals die ganze Welt auslöschen könnten. Denn auch mangelnder Weitblick ist dem Manne eigen, wirklich überschauen kann er nicht immer, was er da anzettelt. Die Natur lässt sich jedenfalls nicht wirklich kontrollieren. 


Trotzdem das männliche Kontrollbedürfnis ist nicht aufzuhalten. Es hat Reittiere gezähmt und Wagen erfunden, demonstrative Bauwerke geschaffen und gegenseitig zerstört, Blicke ins Mikroskop oder Teleskop geworfen und den technischen Fortschritt nach allen Seiten voran getrieben. Natürlich sind wir da noch lange nicht am Ende, irgend eine Gefahr hält die Natur für die menschliche Existenz immer wieder bereit.
 

Nun ja, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, es ist also keine Paranoia, sondern wie wir erkannt haben, eine genetische Strategie, die nur endlich wieder der weiblichen Hand bedarf... 

Montag, 13. September 2010

Montag


Die Küche ist voller Fruchtfliegen, aber mit irgend jemanden muss ich ja mein Leben teilen... 


Tante Amalie 

Sonntag, 5. September 2010

oh, mann


Kreuzworträtsel

Was ist ein weiblicher Nachkomme?

Eine Tochter!

Freitag, 3. September 2010

und so fließt eins ins andere


… ich wiederum betrachte die Haltung von Badinter, die sie in Buch und Interview zeigt, als Rückschritt und zwar in doppelter Hinsicht.


Einmal, dass immer noch der angehörige Mitmensch, hier das Kind, wie ein zufällig Anwesender verwaltet und die (lebensnotwendige) menschliche Bindung mit leichter Verachtung als tierisch abgestempelt werden.


Zum anderen, dass für mich ein Paradigmenwechsel nicht einmal ansatzweise durchscheint und die Frauen sich nur innerhalb der bestehenden Verhältnisse arrangieren sollen. Ihre Muttertiertendenzen sind zu verstecken und es gilt den Männern gleichzutun.


Frau Badinter wollte auf keinen Fall, wie ihre Mutter von einem Mann abhängig sein, also hat sie sich bewusst in die große väterliche Abhängigkeit innerhalb unserer fest etablierten Gesellschaft begeben.
Für mich hat das was von einem Stockholm-Syndrom. Viele Feministinnen postulieren einen Grundgedanken, der sich wie folgt anfühlt: wir nehmen die Gesellschaft wie ist und richten uns in ihr ein, denn es gab nie eine andere. 

Sie hinterfragen weder das Kleinfamilien- noch das Pärchensystem und arbeiten der imperialistischen Weltwirtschaft zu. Um zu verstehen wie die patriarchale Gesellschaft im Inneren funktioniert, brauchen wir uns nur die Entstehung und Wirkung eines Stockholmsyndroms anzusehen.

Die Aggressoren oder Gewalttäter, sind jene, die andere Menschen zwingen aus ihrem eigenen Leben auszusteigen und auf eine Art Überlebensprogramm umzuschalten. Sie halten mit Gewalt- und Todesdrohungen, die meist zufällig anwesenden Geiseln in Atem. Innerhalb der Geiselnehmersituation, werden die üblich vorherrschenden Lebens- und Verhaltensregeln außer Kraft gesetzt und vorübergehend macht der Gewalttäter die Vorgaben, er ist jetzt der Gesetzgeber.

Der ungeheure Stress, der dabei (für alle) entsteht, lässt auch selten eine wirksame Verteidigung beziehungsweise Gegenmaßnahme zu. Die Geisel hat in der Regel keine Möglichkeit die üblichen Kommunikationsmittel zur Verständigung einzusetzen und sowieso keinen Handlungsspielraum, ohne sich und andere in Gefahr zu bringen. Und um sie in der Spur zu halten, wird von den Geiselnehmern immer wieder, zur Auffrischung sozusagen, ein bisschen Terror verbreitet. Die Folge davon ist auf jeden Fall eine Form der Traumatisierung und bei längerer Dauer ein mehr oder weniger ausgeprägtes Stockholmsyndrom.

Dieses Grundmuster des Stockholm-Syndroms lässt sich auf die gesamte patriarchale Gesellschaft anwenden. Wir
werden dazu angehalten und haben gelernt, unsere Aggressoren zu lieben und sie als solche nicht zu erkennen. Bevor jetzt wieder einige durchdrehen und den geliebten Mann an ihrer Seite in Schutz nehmen: Stellt euch einen Moment lang eine friedliche, egalitäre Konsensgemeinschaft vor, in der auch, jaja, Männer leben und die von (berittenen) bewaffneten Männerhorden angegriffen wird. Für diese Gemeinschaft ist hinterher das Leben nie mehr so, wie sie es kannten. An die Furcht und die Unfreiheit gewöhnen sich alle und ihre Kinder werden sich eines Tages ein freiheitliches und friedliches Leben nicht mehr vorstellen können. Den späteren Nachkommen wird bereits überliefert: die Welt war schon immer so...

Irgendwann gibt es kaum noch eine Rückspulungsmöglichkeit zu einem gewaltfreien Zustand. Ein paar Enklaven sind heute auf unserer Welt übrig geblieben, die zeigen, wie menschliches Leben auch ticken kann.


Unser geliebter Fortschritt, den wir auch nicht mehr missen wollen, ist wie eine getarnte Waffe, mit der die Geiselnehmer herumfuchteln. 
Wir benutzen Technik ohne Ende, wohl wissend, dass sie uns ständig um die Ohren fliegen kann.
Wir genießen zu unserer Unterhaltung Fernsehprogramme, die für uns Mord und Grausamkeiten bereit halten. Wir lassen zu, dass real aussehende Spielfilmsequenzen wie Zeichentrickserien daherkommen, das heißt, auch wenn die Hölle losbricht, den Helden geschieht nie ernsthaft ein Leid und selbst die Verbrecher werden anschließend fast unversehrt in Handschellen abgeführt, wenn sie nicht vorher niedergeschossen wurden. 

Die Gehirnwäsche der Gewalt darf in der Gesellschaft also nie aufhören, sonst könnten die Geiseln vielleicht aufstehen und sagen: Ach mach doch deinen Überfall alleine, ich spiele nicht mehr mit...

(in Anknüpfung an verschiedene Kommentare und Beiträgen auf anderen Seiten)