... manche haben mit ihren Äußerungen über Strukturveränderungen und Paradigmenwechsel die Wirkung einer Abrissbirne! Das finden nicht alle lustig, besonders dann nicht, wenn die baufälligen Gebäude von ihnen noch bewohnt werden...
"…wir kommen auf die Welt und die Welt ist schon da... das ist der Schock!" Sagt Harald Lesch. Und er fragt auch: "...warum gibt es ein Lebewesen, das so viel mehr kann, als es eigentlich muss?"
Die Antwort darauf, finde ich, ist eigentlich ganz einfach. Es ist genau genommen die, vorrangig männliche, Überlebensstrategie, welche den Menschen so erfolgreich werden ließ, wenn wir es mal als Erfolg ansehen, dass sich unsere Spezies unverhältnismäßig über den ganzen Erdball verteilt hat.
Nur ein lebender Mann kann seine Gene weitergeben. Daher ist der Selbsterhalt, das Überleben (um jeden Preis) ein maskulines Bestreben. Es ist die Quelle des permanenten Wettbewerbs bis hin zu blutigen Kämpfen und anonymer Vernichtung Tausender.
In einem natürlichen und erst recht in einem bereits zivilisiertem Umfeld, mit einer ständig wachsenden Anzahl an Konkurrenten, ist es dem Mann aus eigenem Sicherheitsbedürfnis heraus, wichtig, die Umwelt zu kontrollieren oder sich mit, ursprünglich Angehörigen, später Gleichgesinnten, zu verbünden. Macht euch die Erde untertan – war eine der zwingenden Schlussfolgerungen.
Die Zehn Gebote sind ein gutes Beispiel dafür, wie notwendig es für sie war, im Laufe der kulturellen Evolution, sozial unangepasste Männer zu reglementieren. Das heute die Gebote allen vorliegen, sollte uns nicht vergessen lassen, dass diese Gesetzesform nur im patriarchalen Sinne von Männern für Männer hervorgebracht wurde. Frauen wurden dereinst von den Gesetzeserfindern in einem Atemzug mit Vieh und Sklaven als Besitz genannt.
Du sollst nicht töten! – war unter anderem jedoch offensichtlich wichtig, um die freilaufenden Aggressionen halbwegs zu kanalisieren. Das Wort der Mutter galt zu dem Zeitpunkt schon lange nichts mehr...
Der Mann fühlt, was unter seiner Kontrolle ist, kann ihm erst einmal nicht schaden! Aber das ist nicht so einfach! So weit mann sehen kann, ist vielleicht alles in Ordnung, doch was ist mit den Gefahren, die nicht mit bloßen Auge zu erkennen und eigenen Ohren zu hören sind? Die mann trotzdem irgendwie spürt, von denen man ahnt oder weiß, dass sie da sind? Nicht umsonst befürchtete Majestix, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte, denn schließlich wissen wir heute, jederzeit könnte ein großer Brocken einschlagen.
Was zu verhindern gilt, muss verhindert werden. Der Mann hat zwar schon immer auch die Seinen beschützt, weil er gelernt hat, wie wertvoll für ihn ein soziales Miteinander (in der Menschengruppe) und wie stärkend Zuwendung und Fürsorge durch andere für ihn sind.
Die vielgepriesene Neugier oder der Wissensdurst des Menschen ist eigentlich nichts weiter als der unbewusste Drang nach eigener (vorrangig männlicher) Sicherheit und einem kontrollierten Umfeld für (wollen wir mal gnädig sein) die eigenen Nachkommen.
Leider ging dieses Bestreben dann doch soweit, dass Massenvernichtungswaffen entwickelt und gebaut wurden, die mehrmals die ganze Welt auslöschen könnten. Denn auch mangelnder Weitblick ist dem Manne eigen, wirklich überschauen kann er nicht immer, was er da anzettelt. Die Natur lässt sich jedenfalls nicht wirklich kontrollieren.
Trotzdem das männliche Kontrollbedürfnis ist nicht aufzuhalten. Es hat Reittiere gezähmt und Wagen erfunden, demonstrative Bauwerke geschaffen und gegenseitig zerstört, Blicke ins Mikroskop oder Teleskop geworfen und den technischen Fortschritt nach allen Seiten voran getrieben. Natürlich sind wir da noch lange nicht am Ende, irgend eine Gefahr hält die Natur für die menschliche Existenz immer wieder bereit. Nun ja, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, es ist also keine Paranoia, sondern wie wir erkannt haben, eine genetische Strategie, die nur endlich wieder der weiblichen Hand bedarf...
… ich wiederum betrachte die Haltung von Badinter, die sie in Buch und Interview zeigt, als Rückschritt und zwar in doppelter Hinsicht.
Einmal, dass immer noch der angehörige Mitmensch, hier das Kind, wie ein zufällig Anwesender verwaltet und die (lebensnotwendige) menschliche Bindung mit leichter Verachtung als tierisch abgestempelt werden.
Zum anderen, dass für mich ein Paradigmenwechsel nicht einmal ansatzweise durchscheint und die Frauen sich nur innerhalb der bestehenden Verhältnisse arrangieren sollen. Ihre Muttertiertendenzen sind zu verstecken und es gilt den Männern gleichzutun.
Frau Badinter wollte auf keinen Fall, wie ihre Mutter von einem Mann abhängig sein, also hat sie sich bewusst in die große väterliche Abhängigkeit innerhalb unserer fest etablierten Gesellschaft begeben. Für mich hat das was von einem Stockholm-Syndrom. Viele Feministinnen postulieren einen Grundgedanken, der sich wie folgt anfühlt: wir nehmen die Gesellschaft wie ist und richten uns in ihr ein, denn es gab nie eine andere.
Sie hinterfragen weder das Kleinfamilien- noch das Pärchensystem und arbeiten der imperialistischen Weltwirtschaft zu. Um zu verstehen wie die patriarchale Gesellschaft im Inneren funktioniert, brauchen wir uns nur die Entstehung und Wirkung eines Stockholmsyndroms anzusehen.
Die Aggressoren oder Gewalttäter, sind jene, die andere Menschen zwingen aus ihrem eigenen Leben auszusteigen und auf eine Art Überlebensprogramm umzuschalten. Sie halten mit Gewalt- und Todesdrohungen, die meist zufällig anwesenden Geiseln in Atem. Innerhalb der Geiselnehmersituation, werden die üblich vorherrschenden Lebens- und Verhaltensregeln außer Kraft gesetzt und vorübergehend macht der Gewalttäter die Vorgaben, er ist jetzt der Gesetzgeber.
Der ungeheure Stress, der dabei (für alle) entsteht, lässt auch selten eine wirksame Verteidigung beziehungsweise Gegenmaßnahme zu. Die Geisel hat in der Regel keine Möglichkeit die üblichen Kommunikationsmittel zur Verständigung einzusetzen und sowieso keinen Handlungsspielraum, ohne sich und andere in Gefahr zu bringen. Und um sie in der Spur zu halten, wird von den Geiselnehmern immer wieder, zur Auffrischung sozusagen, ein bisschen Terror verbreitet. Die Folge davon ist auf jeden Fall eine Form der Traumatisierung und bei längerer Dauer ein mehr oder weniger ausgeprägtes Stockholmsyndrom.
Dieses Grundmuster des Stockholm-Syndroms lässt sich auf die gesamte patriarchale Gesellschaft anwenden. Wir werden dazu angehalten und haben gelernt, unsere Aggressoren zu lieben und sie als solche nicht zu erkennen. Bevor jetzt wieder einige durchdrehen und den geliebten Mann an ihrer Seite in Schutz nehmen: Stellt euch einen Moment lang eine friedliche, egalitäre Konsensgemeinschaft vor, in der auch, jaja, Männer leben und die von (berittenen) bewaffneten Männerhorden angegriffen wird. Für diese Gemeinschaft ist hinterher das Leben nie mehr so, wie sie es kannten. An die Furcht und die Unfreiheit gewöhnen sich alle und ihre Kinder werden sich eines Tages ein freiheitliches und friedliches Leben nicht mehr vorstellen können. Den späteren Nachkommen wird bereits überliefert: die Welt war schon immer so...
Irgendwann gibt es kaum noch eine Rückspulungsmöglichkeit zu einem gewaltfreien Zustand. Ein paar Enklaven sind heute auf unserer Welt übrig geblieben, die zeigen, wie menschliches Leben auch ticken kann.
Unser geliebter Fortschritt, den wir auch nicht mehr missen wollen, ist wie eine getarnte Waffe, mit der die Geiselnehmer herumfuchteln. Wir benutzen Technik ohne Ende, wohl wissend, dass sie uns ständig um die Ohren fliegen kann. Wir genießen zu unserer Unterhaltung Fernsehprogramme, die für uns Mord und Grausamkeiten bereit halten. Wir lassen zu, dass real aussehende Spielfilmsequenzen wie Zeichentrickserien daherkommen, das heißt, auch wenn die Hölle losbricht, den Helden geschieht nie ernsthaft ein Leid und selbst die Verbrecher werden anschließend fast unversehrt in Handschellen abgeführt, wenn sie nicht vorher niedergeschossen wurden.
Die Gehirnwäsche der Gewalt darf in der Gesellschaft also nie aufhören, sonst könnten die Geiseln vielleicht aufstehen und sagen: Ach mach doch deinen Überfall alleine, ich spiele nicht mehr mit...